Bundesligakrimi mit bitterem Ende
Das Spitzenspiel in der Bundesliga West gegen die Wikings aus Zell am See brachte ein richtiges Floorball-Spektakel.
Die Ausgangsposition war klar. Der Sieger dieser Partie hat im Kampf um das Final 4 die deutlich besseren Karten. Die Wikings konnten sich mit einem Triumph bereits fix qualifizieren und der UHC Alligator Rum hätte es im letzten Spiel gegen HFC Feldkirch in der eigenen Hand. Darum war auch der Zuschauerandrang so groß wie nie, über 100 Zuschauer:innen sorgten für eine eindrucksvolle Kulisse.
Und sie bekamen auch gleich etwas geboten. Beide Teams legten im ersten Drittel gleich los wie die Feuerwehr. Anfangs hatten die Zeller etwas mehr vom Spiel, aber die Alligatoren schossen nach einer „Tschechen-Kombi“ nach 8 Minuten das 1:0. Mit einem Solo stellte Lukáš Vašíček nach 13 Minuten sogar noch auf 2:0. Die Halle bebte, vor allem weil Goalie Georg Leitner einen Schuss nach dem anderen souverän parierte. Gleichzeitig stand die Defensive bombenfest und konnte einige Angriffe vereiteln. Die Zeller kamen aber noch vor der Drittelpause heran. Mit einem scharfen Treffer von der rechten Seite zeigten sie, dass mit ihnen weiterhin zu rechnen ist.
Die Rumer starteten auch in das zweite Drittel stark. Mit seinem bereits dritten Treffer im Match stellte der Tscheche Vašíček den 2-Tore-Vorsprung wieder her (3:1, 24:17). Die Gäste fackelten aber nicht lange und verkürzten nur 16 Sekunden später auf 3:2. Daraufhin gestaltete sich ein beinahe offener Schlagabtausch bei dem beide Goalies mit Glanztaten überzeugen konnte. Lukas Krammer sorgte für das 4:2 (26:18) und für ein etwas ruhiges Spiel bei den Gastgebern. Doch die Salzburger gaben nicht auf und nutzten ein seltenes Powerplay zum Anschlusstreffer (4:3, 29:54). Danach überstanden die Rumer ein weiteres Unterzahlspiel ohne Gegentreffer. Danach tanzte Tobias Walluschnig die Abwehrreihen aus und stellte sehenswert auf 5:3. Als dann Vašíček mit einem Weitschuss sogar noch auf 6:3 erhöhte, kochte die Stimmung in der Halle. Erstmals gab es einen 3-Tore-Vorsprung (37:22). Durch Unachtsamkeiten im Stellungsspiel kamen die Zeller aber durch den zweiten Treffer des Finnen Tomi Haikonen noch auf 6:4 heran (39:30). Quasi mit der Schlusssirene zur Drittelpause fiel dann noch das 6:5 durch Max Hörl. Es folgten Diskussionen und Proteste, aber: der Treffer zählte.
Im letzten Drittel war die Anspannung bis auf die Tribünen zu spüren. Die Rumer versuchten die knappe Führung zu verteidigen und brachten ihre Gegenangriffe aber nicht mehr im Tor unter. Gleichzeitig versuchten die Wikings mit Kombinationen den Abwehrriegel der Alligatoren zu durchbrechen. Und dies gelang dann auch: Daniel Wenghofer traf in Minute 47 zum Ausgleich. Weiterhin war es ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem es zeitweise hart, aber ohne Strafen herging. Ausgerechnet Julian Berger, der Rumer, der erst diese Saison nach Zell gewechselt war, sorgte für die erstmalige Führung der Salzburger (6:7, 57:42). Coach Patrick Nitzlnader riskierte daraufhin alles. Nach einem Timeout wurde Goalie Leitner herausgenommen um in den Schlussminuten noch den Ausgleich zu erzwingen. Das Überzahlspiel machte sich auch bezahlt. Krammer legte ab zur linken Seite, auf der Marco Comploj geduldig wartete. Der Kapitän zog von hinter der Mittellinie ab und der Ball zischte unaufhaltsam am Zeller Goalie ins Netz (58:36). Ausgleich. Erlösung. Ekstase. Die Halle war aus dem Häuschen und die Zuschauer stürmten zur Bande. Was für ein Spektakel! Nach einem sehenswerten 7:7 in der regulären Spielzeit ging es in die Overtime.
Und da setzte sich das Wechselbad der Gefühle fort. Denn nach nicht einmal 30 Sekunden traf wieder ein Kapitän. Dieses Mal war es aber Alex Obernosterer, der das entscheidende 8:7 besorgte. Die Salzburger jubelten über den Sieg und die Qualifikation für das Final 4, während die Rumer mit nur einem Punkt dastanden. Würde dieser eine Zähler am Ende reichen? Die Antwort weiß man erst nach der nächsten Runde und den letzten Partien des Grunddurchgangs. Zell am See trifft auf den VSV 2 und der UHC Alligator Rum auf die Knights aus Feldkirch. Womöglich entscheidet am Ende sogar das Torverhältnis.
Die rund 100 Floorballfans in der Halle jubelten ihrem Team aber dennoch frenetisch zu. So einen Kampf, so eine Dramatik hat man in Rum schon lange nicht mehr gesehen. Und trotz der knappen Niederlage waren alle stolz auf diese Mannschaft, die über alle Drittel hinweg alles gegeben hatte.
UHC Alligator Rum – TVZ Wikings Zell 7:8 (2:1 / 4:4 / 1:2 – n.V.)
MS Rum, Aurain, 99 Zuseher, Referees: Rachlinger/Wegmann, MVP: Leitner (#69); Haikonen (#98)
Mehr Infos zum Spiel auf floorballflash.at
Die letzten Partien:
13.12.2025 (Grunddurchgang Gruppe West) Wikings Zell – UHC Rum 11:4
16.03.2025 (Play Off): Wikings Zell – UHC Rum 8:2
08.02.2025 (Grunddurchgang Gruppe West) UHC Rum – Wikings Zell 1:10
16.11.2024 (Grunddurchgang Gruppe West) Wikings Zell – UHC Rum 3:5
